
Migrationszentrum, Ausländerbehörde, Ehrenamtliche und Betrieb vermitteln junger Madagassin Pflegeausbildung
Bramsche. „Wir sind hier wie eine große Familie“, sagt Larissa Yollande Ravaonirina lächelnd, streichelt liebevoll über die Schulter der Seniorin und schiebt behutsam ihren Rollstuhl über den Gang des Pflegeheims. Seit vergangenem Jahr absolviert die junge Frau aus Madagaskar eine Ausbildung zur Pflegeassistenz in der Einrichtung Seniorenzentrum am Hase-See GmbH, eine Einrichtung der Lavida Pflegepartner GmbH – und hat damit ihre Leidenschaft für die Pflege zum Beruf gemacht. Die enge Zusammenarbeit des Migrationszentrums der MaßArbeit mit der Ausländerbehörde des Landkreises Osnabrück, mit dem Arbeitgeber, dem ehrenamtlichen Verein Amal und den Berufsbildenden Schulen Bersenbrück hat dies möglich gemacht.
Zusammenarbeit ermöglicht neue Perspektive
„Wir haben alle zusammen Hand in Hand gearbeitet. So kann Integration gelingen“, sind sich Agnieszka Hübers vom Migrationszentrum, Frau Bartke und Frau Jancik von der Ausländerbehörde sowie Christa Pille vom Verein Amal einig. Denn bis die 27-Jährige ihre Ausbildung aufnehmen konnte, mussten einige Hürden überwunden werden. Schon im Juli 2023 war Larissa Yollande Ravaonirina als Au-Pair aus dem afrikanischen Inselstaat nach Deutschland gekommen, ein Jahr später führte ihr Weg in den Landkreis Osnabrück.
Entscheidung für ein Leben in Deutschland
„Ich wollte gerne in Deutschland bleiben und in der Pflege arbeiten“, lautete der Herzenswunsch der jungen Frau. Doch ihre Zukunft stand in den Sternen: Sie besaß keinen Aufenthaltstitel, also kein Bleiberecht, verfügte über kein Einkommen und keine Krankenversicherung. Der Kontakt zum Verein Amal und zum Migrationszentrum brachte dann die entscheidende Wendung. „Wir haben uns mit Amal und der Ausländerbehörde auf kurzem Wege abgestimmt, um für Larissa eine Aufenthaltserlaubnis zu erwirken und ihren Lebensunterhalt sicherzustellen“, berichtete Agnieszka Hübers.
Verein Amal als wichtige Anlaufstelle
„Gerade für junge Menschen mit Migrationshintergrund ist Amal eine geeignete Anlaufstelle, weil wir fachliche Unterstützung anbieten und weiterführende Kontakte herstellen können“, ergänzte Christa Pille.
Einstieg in den Pflegeberuf mit Rückhalt
Mit dem Aufenthaltstitel in der Tasche ging es für die junge Frau nun darum, den Einstieg in ihren Wunschberuf zu schaffen. Johannes Sievers, Einrichtungsleitung des Seniorenzentrums am Hase-See in Bramsche, war von Anfang an begeistert von der Madagassin: „Wir haben gemeinsam alle Möglichkeiten abgecheckt, wie wir sie für unsere Einrichtung gewinnen können. Das Miteinander war von Anfang an sehr gut und die Wege kurz. Dadurch ging dann alles sehr schnell und Larissa konnte ihre Pflegeassistenz-Ausbildung an den Berufsbildenden Schulen in Bersenbrück und bei uns im Haus starten. Für uns ist Larissa ein echter Glücksfall.“
Gute Sprachkenntnisse als Schlüssel zum Erfolg
Was Johannes Sievers und das gesamte Pflegeteam besonders freut, sind die guten Deutschkenntnisse der jungen Frau. „Ich habe schon in Madagaskar Deutsch gelernt und mag die Sprache sehr“, so die angehende Pflegekraft. Um die Kenntnisse noch weiter zu verbessern, organisierte das Migrationszentrum eine individuelle Sprachförderung. „Dass sie so gut deutsch spricht, ist ein Pfund“, betonte Johannes Sievers.
Engagement über die Ausbildung hinaus
Neben ihrer Ausbildung arbeitet die junge Frau zusätzlich als Pflegehilfskraft in Teilzeit in dem Pflegeheim, da die Ausbildung zur Pflegeassistenz schulisch ist und daher nicht vergütet wird. Im Verein Amal ist sie darüber hinaus ehrenamtlich in der Begleitung von Migrantinnen und Migranten tätig.
Vielfalt als Chance für die Pflegeeinrichtung
„Ihr Engagement kann man gar nicht hoch genug bewerten“, unterstrich Johannes Sievers, der bei der Lavida Pflegepartner GmbH bereits mehrfach gute Erfahrungen mit der Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund sammeln konnte. Noch in diesem Frühjahr sollen fünf weitere Auszubildende aus Kamerun und Marokko ins Bramscher Pflegeteam kommen.
Integration gelingt durch Offenheit und Zusammenarbeit
„Wenn wir als Arbeitgeber die Hand nicht ausstrecken, dürfen wir uns auch nicht beklagen, dass wir keine Mitarbeitenden finden. Wir wollen die Menschen bei uns langfristig binden. Vertrauen geben, Vertrauen bekommen ist unser Ansatz“, sagte Johannes Sievers.
Erfolgsmodell durch enge Kooperation
Dass die Integration von Larissa so gut gelingt, ist nach den Worten von MaßArbeit-Vorstand Lars Hellmers das Ergebnis enger und verlässlicher Kooperationen: „Wichtig ist, dass wir mit allen Beteiligten, vom Migrationszentrum über die Ausländerbehörde bis zum Arbeitgeber, abgestimmt agieren und an einem Strang ziehen. Dadurch können wir unbürokratisch und zügig unterstützen. Toll, wenn die Arbeitgeber so offen wie die Bramscher Pflegeeinrichtung sind.“
Ausblick: Ziel Pflegefachkraft
Larissa möchte ihren Weg in die Pflege weiter gehen und strebt später eine Ausbildung zur Pflegefachkraft an: „In unserer Kultur in Madagaskar haben wir großen Respekt vor dem Alter. Ich pflege gerne ältere Menschen und spreche viel mit ihnen. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind dafür sehr dankbar und lächeln, wenn ich bei ihnen bin“, freut sich Larissa Ravaonirina.
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